Privatisierung Osteuropa, Polen


Due Diligences von 120 Betrieben im Branchen-Mix


AUSGANGSLAGE

In der Zeit nach Glasnost und Perestroika begann die Privatisierung in osteuropäischen Ländern wie Polen und Rumänien. Typischerweise wurde dieser Prozess in jedem osteuropäischen Land unterschiedlich aufgesetzt.

In Polen wurden die meisten staatlichen Firmen im Rahmen einer Auktion an ausgewählte Bieter versteigert. Dieses Verfahren wurde von der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) organisiert. Zur Vorbereitung für diese Auktion und den dazugehörigen Informationsschriften mussten innerhalb von 12 Monaten rund 200 Firmen unterschiedlichster Sektoren vor Ort besichtigt werden. Anschließend waren diese noch zu analysieren und grundsätzlich zu bewerten. Praktisch bedeutete das: Es mussten diverse Teams ausgesucht und angeheuert werden, um die Masse zu bewältigen. Weiterhin mußte die Logistik des landesweiten Due Diligence Prozesses organisiert werden.

Das Auswahlverfahren der Teams bildete bereits die erste große Herausforderung. Es ist zu bedenken, dass diese Länder 1992 in gewissem Sinne noch Terra Incognita waren. Interessanterweise gelang es, eine Generation von jungen Investmentbankern zu rekrutieren, die als Kinder von Ex-Patriots in den USA aufgewachsen und ausgebildet waren. Sie hatten trotzdem noch Bezug zu ihrer Heimat, beherrschten die Landessprache und waren auch bereit zurückzukehren.

Die ganz große Aufgabe bestand allerdings in der Lösung und Organisation der Logistik. Ziemlich aufwändig musste zuerst das nötige Wissen um Zusammenhänge, Interessensgruppen sowie um "Regionalitäten", Land und Märkte zusammengetragen werden. Erst dann konnten die Unternehmen einzeln besucht werden. Um einen echten Vergleichsparameter zu schaffen, wurden nur drei Teams gebildet, die bei Betrieben der Klassen A und C mehrmals vor Ort Untersuchungen durchführten. Deswegen wurden in den Teams auch keine Kernkompetenzen abgebildet.

Praktisch bedeutete dies: Im Laufe einer solchen Arbeitswoche wurden vom Keramikhersteller (tadellos geführter Betrieb, Qualität kleiner Mittelstand, 180 MA) über die Ölbohrgeräte Manufaktur (null Aufträge, kompletter Stillstand, ein Verwalter) bis zur Nova Huta für Zement (im regionalen Ausmaß, eigene Bahnlinie, Universität, Kleinstaat Format, 27.000 MA) alles gesehen. Die Unternehmen waren sodann miteinander zu vergleichen und zu kategorisieren. Letztlich war auch eine Empfehlung für die Zusammensetzung der Pakete auszusprechen.

GEWONNENE ERFAHRUNG

Eine wesentliche Erfahrung besteht darin, dass nämlich Firmen/Betriebe immer in erster Linie Firmen/Betriebe sind. Dagegen spielt die Branche in der Qualitätsbeurteilung eigentlich nur eine sekundäre Rolle. Anders ausgedrückt: Wenn man viele Unternehmen von innen gesehen hat, gelingt die Einschätzung der Lage relativ schnell. Eine spezielle Branchenkenntnis ist dazu nicht unbedingt erforderlich. Persönlich habe ich festgestellt, dass das Know how einer Branche meist völlig überschätzt wird und eher zu Fehlschlüssen führt. Gerade die Kenntnis anderer Felder ermöglicht neue Ansätze und die Öffnung von Handlungsalternativen.

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